SV ATLAS HOLT BEIM 1. FC WUNSTORF EINEN PUNKT

01.05.18

 

1. FC WUNSTORF - SV ATLAS DELMENHORST  3 : 3

27. Spieltag - Oberliga Niedersachsen

 

Bericht: Lars Pingel (Delmenhorster Kreisblatt)

Fotos: Michael Winter (SV Atlas-Events)

Video: Atlas Fan-TV

 

Die Oberliga-Fußballer des SV Atlas Delmenhorst haben am Dienstag sehr gute Moral bewiesen. Sie kamen nach einem 0:2-Halbzeitrückstand noch zu einem 3:3. Allerdings: In der 72. Minute waren sie mit 3:2 in Führung gegangen.

 

Die Spiele der Oberliga-Fußballer des SV Atlas Delmenhorst bieten in den vergangenen Wochen regelmäßig Anlass darüber zu sinnieren, ob, bildlich gesprochen, das Glas nun halbvoll oder halbleer ist. Das war auch am Dienstag so. „Soll ich mich jetzt freuen oder ärgern“, fragte SVA-Trainer Jürgen Hahn nach dem 3:3 (0:2) beim Tabllenvierten 1. FC Wunstorf.

 

Fast eine Stunde lang hatte Hahns Mannschaft in dem Nachholspiel vor etwa 200 Zuschauern kaum etwas auf die Reihe bekommen, lag nach Treffern von Kriseld Doko (33. Minute) und Tim Scheffler (40.) verdient mit 0:2 zurück. Das Anschlusstor von Sebastian Kmiec (59.) leitete eine zu diesem Zeitpunkt kaum mehr für möglich erscheinende Wende ein: Kevin Radke (62.) und Stefan Bruns (73.) brachten die plötzlich nicht wieder zu erkennenden Delmenhorster sogar nach vorn.

 

Atlas-Trainer Jürgen Hahn lobt Moral seiner Mannschaft

Das, aus Atlas-Sicht, unglückliche 3:3 durch Yanik Strunkey (86.), nach dem sich SVA-Torwart Florian Urbainski vehement und mit Gelb bestraft über ein Foulspiel beschwerte, führte zu der Frage nach dem Füllstand im Glas. Der Ausgleich war aber immer noch nicht der Schlusspunkt einer turbulenten, spannenden, temporeichen und umkämpften zweiten Halbzeit. In der Nachspielzeit lief Atlas-Stürmer Dominik Entelmann nach einem klasse gespielten Konter allein auf Wunstorfs Torwart Tobias Schiller zu. Der parierte den Schuss des Delmenhorsters mit einer starken Fußbabwehr.

„Zur Halbzeit hätten wir unterschrieben, wenn uns jemand gesagt hätte, dass wir noch einen Punkt mitnehmen“, sagte Hahn. „Dann hätte es aber auch ein Dreier sein können. Vor allem wenn man sieht, dass wir ganz am Schluss den Matchball haben. Jetzt ist halt dieser eine Punkt herausgesprungen, vielleicht ist es ja am Ende der entscheidende“, fuhr der Coach des um den Ligaverbleib kämpfenden Tabellenelften.

 

Delmenhorster spielen schwache erste Halbzeit

Dieser eine Zähler hätte für die Delmenhorster schon beim Halbzeitpfiff in unerreichbarer Ferne liegen können, manch ein Wunstorfer dürfte sogar sagen: müssen. Die Delmenhorster, das war zu sehen, wollten die Gastgeber früh im Spielaufbau stören. Doch sie kamen oft gar nicht in die Zweikämpfe. Wenn doch, gingen viele verloren. Das setzte sich bis in die eigene Hälfte fort. Dazu kamen unkonzentrierte Aktionen im Spielaufbau. Die fußballerisch starken Wunstorfer nahmen diese Einladungen an, bestimmten das Geschehen. Ihrem 1:0 ging ein wenig konsequent, in die Mitte abgewehrter Eckball voraus. Dort, 19 Meter vor dem Tor, stand Doko völlig frei. Sein Flachschuss war unhaltbar (33.). Vor dem 2:0 profitierte der 1. FC von einem Delmenhorster Ballverlust in der Vorwärtsbewegung. Die Wunstorfer schalteten schnell um. Mehmet Aydin flankte unbedrängt von der rechten Seite, Scheffler köpfte freistehend ein (40.).

 

„Ich war ja froh, dass wir nur 0:2 zurücklagen“, gab Hahn angesichts einiger weiterer hochkarätiger Wunstorfer Möglichkeiten zu. Die meisten hatte der sehr starke Urbainski mit glänzenden Paraden zunichte gemacht. Er parierte unter anderem einen Schuss aus acht Metern von Aydin (20.), einen von Marco Menning (31.) und klärte auch gegen Mohamad Saade (35.) stark. Zwischendurch hatte noch Marlo Siech einen Ball für seinen von Doko schon geschlagenen Torhüter vor der Linie abgeblockt.

 

Keine Torchance vor der Pause

Die Delmenhorster, die Marco Prießner und Musa Karli (beide angeschlagen) sowie Thade Hein (Abitur) schonten, hatten gegen taktisch gut verteidigende Wunstorfer, die deutlich aufmerksamer und energischer waren als die Gäste, in der ersten Halbzeit keine Torchance. Atlas-Flügelspieler Lars Scholz wurde in der 32. Minute verletzt ausgewechselt, für ihn kam Entelmann.

 

In der Pause seien „deutliche Worte“ gefallen, erklärte Hahn. „Wir hatten vor dem Spiel gesagt, dass wir alles geben und uns wehren wollten. Da waren aber nicht alle dabei“, begründete er die Ansprache, die Urbainski später als „sehr laut“ bezeichnete. „Wir waren phlegmatisch, überhaupt nicht im Spiel“, monierte der Atlas-Coach weiter: „So funktioniert Fußball nicht.“

 

In der Delmenhorster Elf stand ab der zweiten Halbzeit Kmiec - und zwar im offensiven Mittelfeld. Für seine Leistung fing sich der Abwehrspieler ein Sonderlob ein. „Das war eine für ihn ungewöhnliche Position, aber er kann das. Er bringt Dynamik und Aggressivität rein“, erklärte Hahn.

 

 

Treffer von Sebastian Kmiec löst alle Knoten

Bis sich das auswirkte, brauchte der SVA allerdings noch drei Urbainski-Paraden bei klaren Wunstorfer Chancen (52., 55., 56.). Doch dann gelang den Delmenhorstern endlich ihr erster guter Offensivspielzug. Auf der linken Seite setzte sich Steven Müller-Rautenberg durch. Seinen Schuss lenkte Schiller an den Pfosten, Kmiec staubte ab (59.). Dieses Tor verwandelte das Atlas-Team. Die Spieler waren fortan gedankenschnell, zweikampfstark und ballsicher.

 

Das überraschte die Wunstorfer sichtlich, sie verloren ihre Souveränität. In einem Atlas-Konter spielte Julian Geppert den Ball in Richtung seines Torhüters. Schiller nahm ihn hechtend in die Hände, Schiedsrichter Alexander Thole (GW Brockdorf) entschied auf indirekten Freistoß. Entelmann tippte den Ball an, Radke schoss ihn aus neun Metern in den rechen oberen Winkel: 2:2 (62.).

 

Hahn lobt Moral

Atlas setzte nach und wurde belohnt. Kapitän Bruns köpfte eine Ecke von Parick Degen zum 3:2 ins Tor (72.). „Die Spieler haben tolle Moral gezeigt“, lobte Hahn. „Sie sind gegen einen echt starken Gegner super zurückgekommen; sie haben großartig gekämpft.“

 

Die Wunstorfer gaben allerdings nicht auf. Sie setzten in der Schlussphase voll auf Offensive, wurden so wieder stärker. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Den letzten Wirkungstreffer setzte der 1. FC: Nach einem hoch in den SVA-Strafraum getretenen Freistoß von halblinks wurde Urbanski am Rand des Fünfmeterraums bei seiner Faustabwehr im Gewühl heftig aus der Balance gebracht, auch Bruns und Witte fielen. Der Ball landete bei Strunkey, der ihn aus 30 Zentimetern zum 3:3 ins Netz schob (86.).

 

„Das war ein klares Foulspiel“

„Stefan Bruns wird direkt in mich reingeschoben“, berichtete Urbainski nach der Partie. „Das war ein klares Foulspiel.“ Es sei schade und ärgerlich, dass es für Atlas nicht zum Sieg gereicht hatte, fand der Torwart.

 

Andererseits habe die Mannschaft bei einem Spitzenteam einen Rückstand wettgemacht. „Wir liegen zur Pause 0:2 hinten und spielen katastrophal“, merkte Urbainski an. Und so war das Glas am frühen Dienstagabend schließlich halbvoll und halbleer.

 

ZUR SACHE

 

1. FC Wunstorf: Schiller; Menneking, Saade, Ullmann (46. Tiryaki), Aydin, Schirrmacher, Doko, Neubert (33. Papadopoulos), Scheffler, Geppert, Strunkey

 

Atlas Delmenhorst: Urbainski - Radke, Bruns, Siech, Witte - Koltonowski (46. Kmiec), Mutlu, Köster - Müller-Rautenberg (83. Immerthal), Scholz (32. Entelmann), Degen.

 

Tore: 1:0 Doko (33.), 2:0 Scheffler (40.), 2:1 Kmiec (59.), 2:2 Radke (62.), 3:2 Bruns (72.), 3:3 Strunkey (86.).

 

Zuschauer: 200.

 

Schiedsrichter: Alexander Thole (GW Brockdorf) mit Julian Meckfessel und Anke Hölscher.