SV Atlas siegt mit Effizienz und großem Einsatz

 

06.05.18

 

SV ATLAS DELMENHORST - SC SPELLE-VENHAUS  2 : 2

28. Spieltag - Oberliga Niedersachsen

 

 

Bericht: Frederik Böckmann (Delmenhorster Kreisblatt)

Foto: André Klattenhoff (SV Atlas-Events)

Video: Atlas Fan-TV

 

 

Die Chancen wurden dieses Mal effektiv verwertet, dafür patzte in der Defensive ausgerechnet der sonst so zuverlässige Kapitän: Beim SV Atlas Delmenhorst lief es gegen den SC Spelle-Venhaus stellenweise paradox. Doch mit einer starken Mannschaftsleistung zwangen die Blau-Gelben den Titelkandidaten per 3:2 (1:0) vor 650 Fans in die Knie.

 

Trainer Jürgen Hahn tigerte die letzten Spielminuten nervös durch seine Coachingzone, Mannschaft und Betreuer-Stab zitterten vor der Ersatzbank mit und auch die Fans auf der Tribüne hielt in der spannenden Schlussphase zwischen dem SV Atlas Delmenhorst und dem SC Spelle-Venhaus nichts mehr auf ihren Sitzen: Als Schiedsrichter Florian Cacalowski (Braunschweig) am Samstagabend nach vierminütiger Nachspielzeit um 17.58 Uhr dann das Duell zwischen dem Kellerkind und dem Titelkandidaten aus dem Emsland abgepfiffen hatte, hallte ein kollektiver blau-gelber Jubelschrei durch Düsternort.

 

Mit 3:2 (1:0) gewann der SV Atlas die packende Partie in der Fußball-Oberliga gegen den Tabellenführer, mit der die Blau-Gelben womöglich einen riesengroßen Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht haben. Ad acta legen kann der Aufsteiger den Abstiegskampf zwar noch nicht, doch die Chancen auf eine weitere Oberliga-Saison haben sich nach dem ersten Sieg nach sieben sieglosen Spielen mit dem Dreier naturgemäß verbessert.

 

„Das waren ganz wichtige Punkte“, atmete Atlas-Trainer Jürgen Hahn nach Spielende tief durch und lächelte: „Dieses Spiel hat Nerven gekostet.“ Für den Sieg machte Hahn nach Schlusspfiff zwei Faktoren verantwortlich: den unbändigen Willen und trotz nur einem Sieg in den vergangenen elf Begegnungen auch den Glauben an die eigene Stärke. Bei der Besprechung vor dem Spiel erinnerte Hahn seine Spieler auch an das ärgerliche 3:3 am vergangenen Spieltag beim 1. FC Wunstorf. Denn: „Wer in Wunstorf aus einem 0:2 ein 3:2 macht, der kann auch Spelle-Venhaus schlagen.“ Und das tat Atlas dank einer herausragenden Teamleistung.

 

Spelles Trainer Sebastian Röttger war dagegen bedient. „Wir haben heute soviel Aufwand betrieben, um zwei Tore zu schießen, und der Gegner hat gar keinen Aufwand betrieben und kriegt drei Tore geschenkt.“ Weil sich am Samstag zeitgleich der 1. FC Wunstorf und Lupo Martini Wolfsburg im Verfolgerduell 2:2 trennten, lebt der Traum der Speller von der Meisterschaft weiter. „Es wäre schön gewesen, wenn wir gewonnen hätten“, gestand Spelle-Coach Sebastian Röttger. „Dann hätten wir es am nächsten Samstag in der eigenen Hand, zu Hause Meister werden zu können.“

 

 

 

650 Zuschauer sahen ein stellenweise paradoxes Atlas-Spiel. Im Gegensatz zum Chancenwucher in einigen vorherigen Spielen nutzten die Blau-Gelben ihre einzigen drei Chancen effektiv. Auf der anderen Seite patzte ausgerechnet Kapitän Stefan Bruns, ansonsten ein Ausbund an Zuverlässigkeit und Zweikampfstärke, bei beiden Gegentoren entscheidend. 

 

In der Anfangsphase gab es einigen Leerlauf auf beiden Seiten. Doch der SVA verteidigte gut, hielt Spelle-Venhaus mit hohem läuferischen und kämpferischen Aufwand geschickt vom eigenen Strafraum fern. Vier Chancen für die Gäste durch den quirligen Niklas Hoff (18./26./45.) und Christoph Ahrens (36.) gab es dennoch. Und Atlas? Ging nach seiner ersten (!) Aktion im Speller Strafraum gleich in Führung.

 

Radke trifft zum dritten Mal in Folge

Ein Querschläger von Nick Köster landete bei Patrick Degen, der auf Kevin Radke ablegte – 1:0 (34.). Es war bereits das dritte Tor in Folge für den zuvor nicht unbedingt als Torjäger in Erscheinung tretenden Rechtsverteidiger. Wieder zum Stürmer umschulen möchte Hahn die Nummer 23 dennoch nicht. „Kevin macht das in der Defensive schon sehr gut“, schmunzelte Jürgen Hahn.

 

Nach der Pause war fast jede gefährliche Strafraumaktion ein Treffer. Nach einem Laufduell leistete sich Bruns ein unnötiges Foulspiel an der Strafraumlinie an Moritz Waldow. Den fälligen Elfmeter verwandelte Spelles Torjäger Sascha Wald sicher – 1:1 (54.).

 

Degen lässt sich nicht abschütteln

Die Antwort der Blau-Gelben folgte keine 60 Sekunden später mit einem herrlichen Treffer. Der starke Steven Müller-Rautenberg erkämpfte sich in der eigenen Hälfte den Ball, setzte mit einem sehenswerten langen Pass Patrick Degen in Szene, der sich vor dem SCSV-Tor nicht abschütteln ließ und eiskalt verwandelte – 2:1 (55.).

 

Doch die Emsländer glichen wenig später unter Mithilfe von Bruns erneut aus. Nach einem langen Pass der Gäste hatte der Innenverteidiger den Ball schon sicher, verstolperte ihn aber. Wald, den die Atlas-Abwehr ansonsten gut im Griff hatte, nahm das Geschenk an und verwandelte freistehend vor Urbainski eiskalt; es war bereits der 29. Saisontreffer für den Speller Goalgetter – 2:2 (64.).

 

Scholz trifft mit erstem Ballkontakt

Hahn brachte daraufhin zwei frische Kräfte: Erst den lange verletzten Spielmacher Musa Karli (66., erster Einsatz in 2018), dann Lars Scholz (72.). Mit den Einwechslungen der Offensivleute bewies Hahn ein glückliches Händchen. Denn „Scholli“ traf gleich mit seinem ersten Ballkontakt. Vorausgegangen war wieder eine Balleroberung von Müller-Rautenberg, der danach von Karli auf links geschickt wurde und nach einem Übersteiger auf Scholz ablegte – 3:2 (76.).

 

„Unsere Tore waren klasse herausgespielt. Genau so sollte unser Umschaltspiel funktionieren“, sagte Hahn und lobte den zweifachen Vorlagengeber Steven Müller-Rautenberg: „Das war klasse.“ Spelles Trainer Sebastian Röttger schimpfte hingegen über die Unordnung seiner Mannschaft bei allen drei Gegentoren: „Das kann einmal passieren, zur Not auch zweimal“, haderte Röttger. „Wir hatten soviel Erfahrung auf dem Platz, dass wir da cleverer und ruhiger bleiben müssen.“ 

 

Klubchef Engelbart fix und fertig

Die Schlussphase war dann nichts für schwache Nerven. Torwart Florian Urbainski musste sich von Hahn zwar einige Rüffel für seine unpräzisen Zuspiele anhören. Doch angetrieben von den Fans warfen sich die Atlas-Akteure in alle Zweikämpfe und ließen bis auf eine Möglichkeit für den Speller Steffen Menke nichts zu (85.).

 

Als der Schlusspfiff ertönte, war auch die Erleichterung bei Klubchef Manfred Engelbart riesengroß. „Dieses Spiel war der Wahnsinn, unglaublich. Das ist nervlich schon an der Belastungsgrenze. Ich hatte immer Angst, dass wir noch einen Gegentreffer kassieren“,  war der 73-Jährige nach dem dramatischen ersten Heimsieg in seiner Amtszeit fix und fertig. Der Atlas-Boss sah einen „klasse Auftritt gegen so einen starken Gegner. Die Mannschaft ist intakt, die Spieler haben einen tollen Charakter.“ Sprach es – und verteilte diverse Schulterklopfer an die Mannschaft und die Trainer.

 

ZUR SACHE

 

Atlas Delmenhorst: Urbainski - Radke, Bruns, Siech, Witte - Mutlu, Koltonowski (66. Karli), Köster - Müller-Rautenberg, Entelmann (72. Scholz), Degen (60. Rauh).

 

Spelle-Venhaus: Gellhaus - Olthoff (78. Wielink), Landwehr, Thielke, Elpermann (86. Berger) - Waldow, Bachl-Staudinger, F. Hoff - Ahrens (59. Lindenschmidt), Menke, Wald.

 

Tore: 1:0 Radke (34.), 1:1 Wald (54., Foulelfmeter), 2:1 Degen (55.), 2:2 Wald (64.), 3:2 Scholz (76.).

 

Schiedsrichter: Florian Cacalowski (Braunschweig) mit Oliver Jakob und Julius Merkel.

 

Zuschauer: 650.

 

Gelb: Bruns (5., gesperrt), Mutlu (8.), Rauh (2.), Köster (13. – Bachl-Staudinger (12.)