Keine Panik vor dem Risikospiel

Keine Panik vor dem Risikospiel

Regionalliga 04.03.2020

SV Atlas Delmenhorst vs. Kickers Emden

von Daniel Niebuhr

 

Gegen Kickers Emden werden beim Fußball-Oberligisten SV Atlas Delmenhorst mehr als 100 Ordner, Polizisten und Sanitäter im Stadion sein. Die Fans sehen die aktuelle Diskussion gelassen.

Die Anhänger des SV Atlas hielten sich am Sonntag gar nicht lange mit dem Feiern auf. Das ebenso unansehnliche wie höchst wichtige 1:0 des Oberliga-Zweiten gegen den TB Uphusen war erst Sekunden vorher zuende gegangen, da gab die Fangruppe Block H bereits einen ersten gesungenen Kommentar zum kommenden Spiel gegen Kickers Emden ab und ließ die Welt mit relativ derben Worten wissen, was man vom nächsten Gegner hält – zusammengefasst: nicht besonders viel.

Die Emder sind für Teile der Atlas-Fanszene ein Lieblingsgegner, seitdem beide Clubs 2016/17 mehr oder weniger lange Teil des Meisterrennens in der Fußball-Landesliga waren, das Atlas schließlich gewann. Im ersten Duell der Traditionsclubs nach 18 Jahren hatte es in Emden eine Prügelei gegeben, an der auch Chaoten anderer Vereine beteiligt gewesen waren. Weil Emden die Lage damals unterschätzt hatte, gingen Atlas und die Polizei im Rückspiel auf Nummer sicher und zeigten durch Beamte und eine Vielzahl von Ordnern Präsenz – so wurde es ein zwar torloses, aber fröhliches Fußballfest vor der damaligen Atlas-Rekordkulisse von 2100 Zuschauern.

Eingang für Atlas-Fans über Hasporter Damm

Am kommenden Sonntag treffen sich die Mannschaften nun ab 15 Uhr wieder – und erneut trägt das Spiel den für die Oberliga unüblichen Stempel Risikospiel. „Es sind aber auch zwei Vereine mit einem für diese Klasse unüblich großem Fanpotenzial“, sagt Atlas-Vorstandsmitglied Tino Polster.

Am Mittwoch hatten die Verantwortlichen des Vereins zum wiederholten Mal ein Gespräch mit der Stadt. Am Sonntag soll die Fan-Trennung noch konsequenter betrieben werden als 2017. Für den Emder Anhang wird es einen eigenen Eingang und einen Gästebereich hinter dem Tor auf der Stadionhallenseite geben, der mit Zäunen begrenzt wird – anders als beim letzten Duell mit Abstand zur Tribüne. Der reguläre Weg über die Düsternortstraße ist gesperrt, Delmenhorster Fans erreichen das Stadion nur über den Hasporter Damm. „Es geht einfach darum, die Sicherheit für jeden zu gewährleisten“, sagt Atlas-Vorstandsmitglied Tino Polster und spricht von „reinen Vorsichtsmaßnahmen. Wir erwarten nicht, dass etwas passiert.“

150 Fans aus Emden erwartet

Immerhin werden zusammen mehr als 100 Sicherheitskräfte, Polizisten und Sanitäter vor Ort sein. Nicht zuletzt deshalb wird das Heimspiel wohl einen vierstelligen Betrag mehr kosten als ein reguläres. Atlas geht die Organisation allerdings unaufgeregt an, man rechnet mit bis zu 150 Fans aus Emden. „Es wird eine schöne Atmosphäre herrschen“, glaubt Polster. Die Chance auf die erste vierstellige Zuschauerzahl 2020 ist groß. Bisher kommen etwas über 1000 Fans im Schnitt zu den Heimspielen, bei den Partien am Sonntag sind es aber sogar mehr als 1200.

Nicht nur das Spiel verspricht Spannung – Atlas kämpft ja um den Aufstieg –, auch die Fans werden unter verschärfter Beobachtung stehen, nachdem am Wochenende durch Vorfälle in Profistadien eine neue Diskussion um den Umgang mit Hassbotschaften in den Kurven entstanden ist. Im Bundesligaspiel von 1899 Hoffenheim gegen Bayern München hatte es im Bayern-Block beleidigende Plakate gegen Hoffenheims Geldgeber Dietmar Hopp gegeben, die Partie stand kurz vor dem Abbruch. Für die Atlas-Fans ist dieses Thema lauf Block-H-Sprecher Timo Conrad aber gar keins: „Viele von uns reisen ja mit Atlas mit, weil wir dem Profifußball zumindest zu einem gewissen Grad entsagt haben.“

Fansprecher ruft zu "differenzierter Debatte" auf

Die Delmenhorster Fans sind die lautstärksten der Liga, aber auch wohl die, die sich die meisten Pöbeleien leisten. Conrad bleibt dennoch gelassen. „Es gibt Dinge wie Rassismus, die gar nicht gehen. Wir versuchen schon aufzupassen, dass wir nicht über das Ziel hinausschießen“, sagt er, regt aber auch nach den Vorfällen in der Bundesliga zu einer „differenzierten Debatte“ an: „Wir reden immer noch über Fußball. Emotionen gehören dazu. Wenn wir jeden Fangesang und jeden Zwischenruf auf die Goldwaage legen – wo hören wir dann auf? Wo ziehen wir die Grenze?“ Er werde jedenfalls „jetzt nichts anders machen. Wenn einer unserer Spieler hart gefoult wird, dann werden die Fans sich auch weiter aufregen.“

Titelbild: Rolf Tobis

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