SV Atlas Delmenhorst sammelt neuen Mut

SV Atlas Delmenhorst sammelt neuen Mut

Regionalliga 10.11.2020

Ein Bericht vom

von Daniel Niebuhr

Titelbild: Rolf Tobis

Fußball-Regionalligist SV Atlas Delmenhorst nutzt die Zwangspause zur Ursachenforschung nach der Sieglos-Serie. Das Schlusslicht will auf dem Transfermarkt noch einmal nachlegen, glaubt aber nicht an einen schnellen Neustart der Punktspiele.

Immerhin ein kleines Erfolgserlebnis war Florian Urbainski am Sonntagvormittag mal wieder vergönnt. Der Torhüter des SV Atlas, der seine eigentliche Sportart gerade nicht ausüben darf, lieferte sich ein Tennismatch mit Leistungsfußball-Leiter Bastian Fuhrken, das Unentschieden ausging – jeder hatte am Ende einen Satz gewonnen. „Meine Kondition lässt ein wenig nach“, scherzte Fuhrken hinterher. „Wenn er nicht fitter wäre als ich, müsste er sich aber auch Gedanken machen.“

Urbainski ist schließlich Teil des Regionalliga-Kaders, auch wenn er wie seine Teamkollegen praktisch seit dem 11. Oktober kein wirkliches Mannschaftstraining mehr hatte. Erst legten insgesamt sechs Corona-Fälle die Delmenhorster lahm, dann kam das bundesweite Verbot für Mannschaftssport im November. Urbainski und der Rest des Aufgebots, vor allem aber Fuhrken und seine Kollegen aus der Sportlichen Leitung sind inzwischen viel zu gewöhnt an Videokonferenzen – zuletzt fand sogar erstmals eine Vorstandssitzung auf diesem Weg statt. Das Trainerteam um Key Riebau versucht sein Möglichstes, um das Team, das in der Südstaffel Letzter ist, fit zu halten, mehr als private Laufeinheiten jedes Einzelnen und einige angeleitete Übungen sind aber nicht drin. Am 5. Dezember dürfte Atlas nach aktuellem Stand sein achtes Punktspiel gegen den VfV Hildesheim absolvieren, Fuhrken glaubt daran aber nicht. „Man muss dem Team auch die Chance geben, dafür fit zu werden“, sagt er. Außerdem ist die Reduzierung der Saison auf eine Einfachrunde inzwischen nicht unrealistisch – und gegen Hildesheim hat Atlas schon gespielt.

Verband will früheren Trainingsbeginn

Der Norddeutsche Fußball-Verband hat eine Meinungsfrage bei seinen Clubs gestartet, um zu planen, wie es weitergehen kann. Die Regionalliga West darf als einzige vierte Liga in Deutschland spielen, weil die Clubs glaubhaft gemacht haben, dass ihre Spieler zu einem respektablen Teil Berufsfußballer sind. Der NFV-Spielausschussvorsitzende Jürgen Stebani findet das bei aller Liebe „seltsam“. Sein Verband kämpft aber dafür, dass die Nordclubs zumindest wieder trainieren können. „Da die vierte Liga als höchste Amateurspielklasse die Schnittstelle zum Profifußball darstellt, überprüfen wir aktuell, ob in den einzelnen Landesverbänden zumindest der Trainingsbetrieb in festgelegten Gruppen ermöglicht werden könnte“, sagt Präsident Günter Distelrath.

Atlas nutzt die Zeit, um nach sieben sieglosen Spielen neuen Mut zu sammeln – und um auf der Suche nach Gründen jeden Stein umzudrehen. „Wir schauen uns zusammen an, wo wir uns im Sommer gesehen haben und wo wir jetzt sind. Es gibt keine Position, die nicht hinterfragt wird“, sagt Fuhrken. „Wir führen mit jedem Einzelgespräche. Die Situation ist für die Jungs nicht einfach. Aber jeder, der uns kennt, weiß, dass wir den Kopf nicht in den Sand stecken.“ Auf dem Transfermarkt will Atlas im Winter auch noch einmal aktiv werden. „Da machen wir sicher noch etwas. Das haben wir aber immer getan und das werden andere auch tun.“ Dass eine eventuelle Einfachrunde die Chancen im Abstiegskampf verschlechtern könnte, ist für Fuhrken dabei nicht die treibende Kraft. Für Atlas sei „ohnehin jedes Spiel ein Finale. Die Frage ist nur, wie viele Finals wir bekommen.“

U23-Teams trainieren längst wieder

Er macht kein Geheimnis daraus, dass er eine Reduzierung des Programms fast schon für unausweichlich hält, auch wenn sich der Spielausschuss noch längst nicht festlegen will. Die Corona-Fälle im Team haben Fuhrken vorsichtiger werden lassen. „Du nimmst die Lage ganz anders wahr, wenn du selbst betroffen bist. Dann beschäftigt man sich mit so vielen Dingen, die nichts mit Fußball zu tun haben“, sagt er. „Natürlich wollen wir alle schnell wieder auf den Platz. Aber das ist noch weit weg. Ich weiß auch nicht, ob es zu unserer Vorbildfunktion passt, wenn wir kicken dürfen, aber Kinder nicht.“

Andere Mannschaften tun es bereits wieder. Die U23-Mannschaften von Werder Bremen, Hannover 96 und dem VfL Wolfsburg, alles Delmenhorster Staffelrivalen, dürfen dank einer Sondergenehmigung trainieren und wären wesentlich früher bereit für Punktspiele – Wolfsburg ist einer der verbliebenen drei Hinrundengegner für Atlas und wohl ein Rivale in der folgenden Abstiegsrunde. „Ich kann die Argumente der Profiverein aber auch verstehen“, sagt Fuhrken. „Es ist eine Situation, die ganz schwer greifbar ist.“

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