Wer dem SV Atlas in der Krise alles hilft

Wer dem SV Atlas in der Krise alles hilft

Regionalliga 28.01.2021

Ein Bericht vom

von Daniel Niebuhr

Fußball-Regionalligist SV Atlas Delmenhorst steckt in einer schweren Lage, rückt in der Pandemie aber zusammen. Vorsitzender Manfred Engelbart glaubt, dass der Club in der Krise keine schlechten Karten hat, weil jeder Opfer bringt – Mannschaft, Fans und Sponsoren.

Nicht alle wissen, dass der Delmenhorster Unternehmer und Fußballfunktionär Manfred Engelbart einmal ein Triathlet von überregionaler Klasse war. Engelbart ist heute 75 Jahre alt, er gehörte 1984 zu den Teilnehmern der ersten Deutschen Meisterschaft, die für ihn beinahe ein böses Ende genommen hätte: Fünf Kilometer vor dem Ziel bekam er Krämpfe gleich in beiden Waden, wie er mal erzählte: „Aber ich bin durchgekommen – und das nicht im Besenwagen.“

Engelbart, das ist die Moral der Geschichte, hat das Durchbeißen gelernt, was ihm nun als Vorsitzenden des SV Atlas Delmenhorst mal wieder hilft. Der Regionalligist steckt in keiner leichten Situation, was erst einmal sportlich unübersehbar ist. Der Aufsteiger ist Letzter und braucht für den Klassenerhalt eine kleine Aufholjagd, die man wegen Corona aber nicht aufnehmen kann – seit Oktober findet das Training unter Trainer Key Riebau nur virtuell statt, während etliche Ligarivalen schon wieder auf dem Platz stehen. Kein deutscher Viertligist außerhalb Bayerns hat seit Sommer seltener gespielt als Atlas, nämlich nur sieben Mal, davon nur drei Mal im eigenen Stadion, was wiederum finanzielle Folgen hat: Bei eigentlich eingeplanten Einnahmen von mindestens 10.000 Euro pro Heimspiel kann man sich das Loch in der Kasse bildlich vorstellen.

Loyale Dauerkarteninhaber

Doch der Club tut auch in der Krise das, was ihn in guten Zeiten stark gemacht hat: Er rückt zusammen. „Wir sind eine herausragende Gemeinschaft, in der jeder Opfer für das Kollektiv bringt“, sagt Engelbart. Damit meint er unter anderem die Spieler samt Trainerteam, die auf Teile ihrer Gehälter verzichten, um den Verlust abzufedern. Das ist durchaus bemerkenswert in der höchsten deutschen Amateurklasse, in der die Spieler Profi-Anforderungen erfüllen müssen, ohne dafür wie Profis bezahlt zu werden. Die Sponsoren ziehen laut Engelbart ebenfalls mit, „wofür ich jeden Tag dankbar bin“, wie er regelrecht schwärmt. Das Jahrhundertspiel im DFB-Pokal gegen Werder Bremen 2019, glaubt er, wirke da bis heute nach: „Damit haben wir etwas geweckt in dieser Stadt. Man kann über Delmenhorst meckern, wie man will, aber jetzt zeigt sich mal wieder, dass wir zusammenstehen.“

Die Fans helfen auf ihre Weise. Kein Inhaber einer Dauerkarte – Atlas hatte wegen der Corona-Beschränkungen nur 150 davon überhaupt in den Verkauf gegeben – will bisher sein Geld für verpasste Partien zurück, obwohl es dafür Argumente gebe. Im ursprünglichen Spielplan hätte Atlas zu diesem Zeitpunkt schon sieben Heimspiele mehr gehabt. Mitgliederschwund gibt es auch nicht, laut Engelbart treten sogar vereinzelt Menschen ein, um dem Club zu helfen. „Das sind Zeichen, die mich optimistisch machen“, sagt Engelbart: „Wenn man das alles zusammen sieht – Spieler, Sportliche Leitung, Sponsoren, Fans und Mitglieder –, dann glaube ich, dass wir bessere Karten in dieser Krise haben als viele andere Vereine.“

Debatte um Modus

Die Lizenz für Regional- und Oberliga wollen die Delmenhorster natürlich wieder beantragen, welche der beiden Ligen die künftige sportliche Heimat wird, kann Atlas nicht bis ins Letzte beeinflussen. Das Management um Leistungsfußball-Leiter Bastian Fuhrken hat seinen Teil getan und mit Torwart Rico Sygo und Innenverteidiger Kristian Taag zwei erfahrene Neuzugänge verpflichtet. Wie viele Chancen sie bekommen werden, Atlas im Abstiegskampf zu helfen, hängt vom Plan des Norddeutschen Fußball-Verbandes ab, um den gerade gerungen wird. An der Abstiegsrunde wird bislang festgehalten, vorher müssten noch die drei Vorrundenpartien in der Südstaffel gegen den VfB Oldenburg, den SSV Jeddeloh und den VfL Wolfsburg II über die Bühne gehen. Danach ist vieles offen: Atlas könnte gegen jeden der elf Abstiegsrundenrivalen einmal spielen oder am Ende doch nur je einmal gegen die sechs Gegner aus der Nordstaffel. Dann hätten die Delmenhorster insgesamt lediglich 16 Partien absolviert, nur elf davon stünden in der Abschlusstabelle, weil die Vorrundenspiele gegen Gegner, die die Meisterrunde erreichen, gestrichen werden.

Einen Club mit derart wenigen Spielen absteigen zu lassen, wäre eine heikle Entscheidung, nicht umsonst haben fast alle deutschen Verbände genau deshalb in der abgebrochenen Vorsaison auf Absteiger verzichtet. „Unabhängig von unserer eigenen Situation sollten schon alle Mannschaften genügend Spiele haben, um einen Abstieg rechtfertigen zu können“, findet Engelbart. Er könnte sich sogar vorstellen, dass man ein weiteres Jahr auf Absteiger verzichtet und die Regionalliga, falls sich denn Oberligisten auch mit dann ebenfalls sehr wenigen Spielen zum Aufstieg berufen fühlen, noch einmal vergrößert. Das aktuelle System mit zwei regional geordneten Vorrunden bietet dafür zumindest Potenzial. Aber natürlich hofft Engelbart, „dass wir es so oder so schaffen. Wenn ich sehe, wie professionell alle arbeiten, glaube ich auch dran.“

Titelbild: Rolf Tobis

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