Coach Key Riebau: „Wir genießen ein Privileg“

Coach Key Riebau: „Wir genießen ein Privileg“

Regionalliga 07.03.2021

Ein Bericht vom

von Daniel Niebuhr / Titelbild: Rolf Tobis

Mit einer Sondergenehmigung darf der Fußball-Regionalligist SV Atlas Delmenhorst trainieren – für einen Ernstfall, von dem man nicht weiß, wann er eintritt. Trainer Key Riebau erzählt im Gespräch, welche Gedanken ihn verfolgen und warum einen das Gedächtnis manchmal täuscht.

Fast vier Monate lang hat Key Riebau seine Mannschaft nur am Bildschirm gesehen, seit Mitte Februar darf der 30-jährige Coach mit dem SV Atlas Delmenhorst aber wieder trainieren. Wie die meisten Fußball-Regionalligisten haben die Delmenhorster eine Ausnahmegenehmigung bekommen – wann sie wieder spielen dürfen, steht aber noch nicht fest. Atlas ist als Aufsteiger Letzter, hat allerdings in der aktuellen Saison erst sieben Spiele absolviert, zusammen mit Altona 93 die wenigsten aller Regionalligisten in Deutschland. Im Interview spricht Riebau über Privilegien, einen Abstiegskampf mit vielen Unbekannten und sieben Tage, die richtig wehtun.

Herr Riebau, wie viel hat man als Sportlehrer eigentlich dieser Tage zu tun?

Key Riebau: Ich unterrichte ja momentan nur die Abschlussklassen. Es ist tatsächlich so, dass ich mehr Freizeit habe als sonst.

Glücklicherweise kann Ihre Mannschaft ja wieder trainieren.

Das ist für uns tatsächlich ein erster Schritt Richtung Normalität, der einfach guttut. Das merkt man den Jungs richtig an. Sie haben Spaß mit dem Ball und als Team.

Die meisten Fußballer in Deutschland werden jetzt neidisch.

Das ist uns schon klar. Natürlich wissen wir, dass wir durch unseren Status als Regionalligist ein Privileg genießen, das habe ich auch den Jungs gesagt. Jeder kann sich allerdings sicher sein, dass wir damit sehr behutsam umgehen wollen und werden.

Wie schwer ist es, auf etwas hinzutrainieren, von dem man nicht weiß, wann es kommt?

Erst einmal geht es ja gar nicht um Spielvorbereitung. Die Jungs müssen das Gefühl für den Fußball wiederbekommen. Wir tun, was wir tun können, alles andere liegt nicht in unserer Hand. Wir sind alle Fußballer mit Leib und Seele und wollen am liebsten sofort spielen, aber wir müssen warten, was die zuständigen Stellen entscheiden.

Das gilt auch für den Modus, in dem es in der Regionalliga weitergeht. Atlas ist aktuell Letzter, keiner weiß, wie viele Partien es noch geben wird, vielleicht nicht einmal so viele wie in der Vorsaison. Ab wie vielen Spielen, denken Sie, darf man eine Mannschaft guten Gewissens zum Absteiger erklären?

Das ist eine berechtigte Frage, die sich viele stellen. Man sollte sich nicht mit Dingen befassen, die man kaum beeinflussen kann, aber der Gedanke spukt trotzdem im Kopf herum. Die Verbände müssen eine Regelung finden, was verdammt schwer ist. Ich glaube, es ist logisch, dass es sich für uns unfair anfühlen würde, wenn man gesagt bekommt: Ihr müsst jetzt runter, auch wenn ihr nur 13 oder 14 Spiele gemacht habt.

Könnte aber passieren.

Wir müssen auch Vertrauen haben. Ich bin mir sicher, dass alles versucht wird, um am Ende ein Ergebnis zu bekommen, das einen Wert hat. Wie man dahin kommt und was man darunter versteht, darüber hat jeder Verein eine andere Meinung. Das ist ganz normal. Da hat erst einmal jeder das eigene Schicksal vor Augen und sucht Argumente für sich. Keiner will zu den Verlierern gehören. Es wird aber wohl welche geben, wie auch immer man es macht. Mir ist bei der Diskussion wichtig: Einen Abbruch will keiner. Wir wollen so oft wie möglich spielen, deshalb sind wir Sportler.

Atlas könnte die Lage entspannter sehen, wenn man mehr Punkte geholt hätte. Nagen die ersten sieben Spiele noch an Ihnen?

Nicht die ersten sieben Spiele, sondern eigentlich nur die letzten sieben Tage vor der Saisonunterbrechung. Es ist verrückt, wie einen das Gedächtnis täuscht. 2020 war das Jahr, in dem wir in die Regionalliga aufgestiegen sind, in dem wir tolle Spiele hatten – wenn ich nur an das geile 3:0 gegen Emden denke –, und doch kaut man sehr viel auf der letzten Woche vor dem Lockdown herum.

Das 2:3 in Hildesheim, das 0:2 gegen den HSC Hannover und das 0:1 beim FC Oberneuland fallen in diesen Zeitraum.

Das sind genau die Niederlagen, die richtig wehtun, weil wir alle drei hätten verhindern können. Weil das auch die letzten Spiele waren, ist die Erinnerung daran noch frisch – der Ärger darüber auch.

Die anderen Mannschaften drücken Ihnen teilweise die Daumen. Von vielen hört man: Atlas soll bitte drinbleiben, damit wir in der nächsten Saison dann vor dem tollen Publikum spielen können.

Das ist ja auch so Punkt, der nicht nur, aber gerade für uns unglücklich gelaufen ist: dass wir nur wenige oder gar keine Zuschauer im Stadion haben durften. Wenn ich mir vorstelle, wie viele Delmenhorster zu unseren Heimspielen gepilgert wären, was das für eine Stimmung gewesen wäre, dann ist das schade. Aber wir können es nicht ändern.

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