Etat, Bus, LED-Banden

Woran der SV Atlas Delmenhorst im Hintergrund arbeitet
Artikel vom 20. Mai 2026
Von Daniel Niebuhr (dk-online.de)
Die Regionalliga wird für den SV Atlas Delmenhorst deutlich teurer als die Oberliga. Doch der Aufsteiger hat einige Ideen für die Finanzierung – und wird dafür Neuland betreten. Auch die Fans sind bereits ein Faktor.
Dem SV Atlas Delmenhorst wurde in dieser Woche eine seltene Ehre zuteil: Er wurde in einem Atemzug genannt mit zwei Klubs aus dem Profizirkus. Der Landesverband ließ ein Statement seines Präsidenten Ralph-Uwe Schaffert verbreiten, in dem er dem neuen Zweitligisten VfL Osnabrück, dem neuen Drittligisten SV Meppen und dem neuen Regionalligisten Atlas zu ihren jeweiligen Aufstiegen gratulierte, die alle drei verblüffend souverän errungen hatten. Der ranghöchste Kicker in Niedersachsen schwärmte dabei unter anderem von der „bemerkenswerten Entwicklung“ und der „Begeisterung, die Atlas in Delmenhorst und umzu entfacht hat“.
In Delmenhorst wird man sich geschmeichelt fühlen und gleichzeitig wissen: Von den Weser-Ems-Nachbarn Osnabrück und Meppen trennen Atlas mehr als nur die etwas mehr als 100 Kilometer – in Wahrheit sind es ganze Welten. Der Verein wird noch immer ehrenamtlich geführt, die Regionalliga ist die höchste Klasse, in der in Delmenhorst auf absehbare Zeit Herrenfußball gespielt werden kann – und auch das nur dank einer Millioneninvestition der Stadt in das Stadion an der Düsternortstraße. Atlas muss sich in der Regionalliga in allen Bereichen weiterentwickeln – aber daran wird, wie man hört, aktuell schon fleißig gearbeitet.
Atlas Delmenhorst beim Etat „im letzten Drittel“
Wie überall hängt die Wettbewerbsfähigkeit in der neuen Liga maßgeblich mit dem Etat zusammen, bei dem Atlas in der Oberliga noch zur Spitzengruppe gehörte, was sich nun schlagartig ändern wird. „Da erwarten uns in der Regionalliga ganz andere Dimensionen“, sagt Stefan Keller, der als Marketingvorstand maßgeblich an der Finanzierung mitwirkt. Er sehe Atlas da eher „im letzten Drittel. Aber das ist auch nichts Ehrenrühriges. Wir sind ein Verein, für den es erst einmal um den Klassenerhalt gehen wird. Alles andere kann man dann sehen.“
Wie viel die Regionalliga tatsächlich kosten wird, will wenig überraschend niemand verraten, das Budget wird allerdings deutlich steigen. Neben dem Platz weiteres Geld zu generieren sei „immer eine Herausforderung“, sagt Keller: „Aber wir haben einen vernünftigen Finanzplan.“ Er spricht von „einem kleineren sechsstelligen Betrag“, um den der Etat wächst: „Den wollen und müssen wir akquirieren.“
Dafür dreht Atlas an verschiedenen Schrauben. „Wir arbeiten gerade hart, während die Spieler auf Mallorca sind“, scherzt Keller. Bereits zum Regionalliga-Start sollen im Stadion LED-Banden stehen, die nicht nur Ergebnis und Spielzeit darstellen können, sondern vor allem auch Sponsoren eine Plattform bieten. „Wir sind in Gesprächen mit unseren Partnern. Das können wir nur gemeinsam bewältigen“, sagt Keller. Auch die Haupttribüne könne man „noch einmal anders vermarkten“, kündigt er an, ohne ins Detail zu gehen.
Weitere Werbeflächen entstehen auf dem Projekt, auf das man bei Atlas vielleicht am stolzesten ist: auf dem Mannschaftsbus, mit dem das Team künftig zu den Spielen fahren wird. Bisher wird ein normaler Reisebus genutzt. Hauptsponsor Olaf Stark und das Unternehmen Sausner Reisen helfen an vorderster Front mit. „Es wird das erste Mal, dass der Verein einen eigenen Bus hat, das ist ein ganz neuer Schritt für uns“, schwärmt Keller. „Das hat etwas mit Selbstverständnis zu tun. Das ist auch ein Statement.“ Der Bus wird außerhalb der Spiele auch touristisch genutzt – und damit ein rollender Werbeträger für Klub und Sponsoren.
Atlas ist, anders als viele Konkurrenten (und der 2002 verschwundene, gleichnamige Vorgängerverein), nicht von einem einzigen Geldgeber abhängig: Hinter dem Klub stehen etliche Firmen aus Stadt und Region. Man habe nicht nur in der Mannschaft einen breiten Kader, sondern auch bei den Partnern, sagt Keller: „Das sind keine anonymen Geldgeber. Das sind Menschen, die eine große Leidenschaft für den Verein entwickelt haben. Das kann auch wichtig werden in einer Saison, in der es nur um den Klassenerhalt geht.“
Höchster Zuschauerschnitt seit 30 Jahren
Gleiches gilt für die Fans, die das Team im Endspurt getragen haben – und auch beim Etat helfen. Atlas hat den Schnitt in der abgelaufenen Saison, auch dank des sportlichen Erfolgs, auf 1018 gesteigert, das ist nicht nur Vereinsrekord seit der Wiedergründung 2012, sondern auch der beste Wert einer Delmenhorster Sportmannschaft seit 30 Jahren. Die Einnahmen dürften dadurch im sechsstelligen Bereich liegen. „Auch das ist natürlich finanziell ein Faktor“, bekennt Keller. „Die 1000 ist die Marke, die wir halten müssen.“ Durch das Flutlicht, das beim 4:0 gegen den TuS Bersenbrück eingeweiht wurde, habe Atlas neue Möglichkeiten bekommen: „Wir werden bestimmt das eine oder andere Spiel am Freitagabend austragen.“
