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Der Rekordfinne mit der Delmenhorster Seele

Atlas-Stürmer Fagerström

Artikel vom 8. Oktober 2026

Ein Bericht von Daniel Niebuhr (dk-online vom 6.10.2026)

Tobias Fagerström vom SV Atlas ist der beste finnische Torschütze der Regionalliga-Geschichte – und ein Gesicht des Delmenhorster Klubs. Der fleißige Angreifer fühlt sich in Norddeutschland und bei seinem Verein pudelwohl.

Der Fußballer Tobias Fagerström ist vor Kurzem in die Stadt zurückgekehrt, die seinem Leben einst eine ziemlich entscheidende Wendung gegeben hat. Er reiste als Spieler des Regionalligisten SV Atlas Delmenhorst dienstlich nach Hamburg und traf mit der zweiten Mannschaft des HSV dort auf jenes Team, zu dem er selbst mal zwei Jahre gehört hatte. Die Spielstätte ist inzwischen eine andere – nämlich das ehrwürdige Stadion Hoheluft –, Mitspieler von damals waren auch keine mehr dabei. Und doch kamen „auf jeden Fall“ Erinnerungen hoch, wie Fagerström nach dem 3:0-Sieg offenbarte: „Schließlich habe ich in Hamburg nicht nur Fußball gespielt, sondern auch meine Freundin kennengelernt.“

Und die wiederum ist wohl der wichtigste Grund dafür, warum der Finne dort ist, wo er gerade ist. Fagerström, der sich vor vier Jahren eigentlich schon zurück in die Heimat verabschiedet hatte, kam 2024 als Überraschungs- transfer vom finnischen Zweitligisten Ekenäs IF nach Delmenhorst – nicht nur aus sportlichen Gründen, sondern vor allem, um seiner Lebensgefährtin näher zu sein. Und an der Delme ist er schon jetzt zu einem der Gesichter des Klubs geworden. Inzwischen wohnt das Paar in der Stadt – und auf dem Platz glaubt man fast, eine Delmenhorster Seele in ihm zu erkennen. Der 26-Jährige rennt und rackert mit einer Inbrunst, die man bei Offensivkräften nicht immer erlebt, und steht damit für den Fußball, den der Klub aus der Arbeiterstadt gern präsentieren möchte. „Unsere Art passt perfekt zu meiner Spielweise“, schwärmt er.

Rekordtorschütze in Regionalliga und Oberliga

Der 21-fache Nachwuchs-Nationalspieler, der mit vollem Namen Tobias Allen Diego Fagerström heißt und 2018 bei der U19-EM zum Kader seines Heimatlandes gehörte, hat insgesamt 58 Pflichtspiele für Atlas in der Bilanz, 16 Treffer und zehn Assists sind ihm in dieser Zeit gelungen. In der ewigen Torschützenliste seit der Wiedergründung des Vereins 2012 reicht das nicht für die Top Ten, dafür aber in anderen, nicht weniger bedeutenden Rankings. Durch seine beiden Treffer in der laufenden Saison ist er mit neun Karrieretoren dem Portal transfermarkt.de zufolge zum erfolgreichsten Finnen in der Geschichte der Regionalliga Nord aufgestiegen. 14 Landsleute hatten auch schon ihr Glück in dieser Staffel der vierthöchsten Klasse versucht. Finnischer Rekordschütze der Oberliga Niedersachsen ist er schon länger, was aber auch geringfügig leichter war: Er ist ja der einzige Finne, der dort je getroffen hat.

Beim Regionalliga-Achten ist er in der Offensive nicht nur durch seine Arbeitsmoral, sondern auch durch seine Vielseitigkeit ein Dauerbrenner. Er kann in vorderster Linie spielen, zentral oder außen, und sprang auch schon in der Rolle des Spielmachers ein. Alle Positionen liegen ihm gleich gut, sagt er vorsichtshalber: „Nicht dass der Trainer noch liest, dass ich irgendwo weniger gern spiele und mich dann nicht mehr aufstellt.“

Fagerström mahnt zur Konzentration

Diese Gefahr ist aber wohl nicht sehr akut, weil Fagerström regelmäßig liefert. In der vergangenen Saison war er dank seiner elf Treffer zusammen mit Steffen Rohwedder bester Torschütze, in der laufenden Spielzeit gehört er zu den fünf Feldspielern, die in allen Partien der laufenden Saison mitwirkten – mal von Beginn an, mal von der Bank. Die Delmenhorster Offensive definiert sich eher durch Klasse in der Breite als durch einen prominenten Torjäger. Zehn Spieler haben schon getroffen, nur Rohwedder mit seinen drei Toren noch öfter als Fagerström.

Dass der Neuling dabei auch manches Mal noch Lehrgeld bezahlt, ist keine große Überraschung. Atlas ist mit 15 Punkten aus elf Partien zwar gut unterwegs, hatte im September aber auch schon eine knifflige Phase mit drei Partien ohne Sieg und insgesamt 1:9 Toren. „Das sollte Warnung genug sein. Wir müssen in jedem Spiel an unsere Grenzen gehen, sonst haben wir in dieser Liga keine Chance“, sagt Fagerström, der aber auch feststellt, „dass wir als Aufsteiger schon sehr gut reingekommen sind“.

Atlas-Stürmer hat Ausbildung begonnen

Fagerström würde wenig überraschend gern in der Regionalliga bleiben – und bei Atlas sowieso. Er fühlt sich in Norddeutschland offenkundig wohl, an eine Rückkehr nach Finnland denkt er momentan nicht. Er hat eine kaufmännische Ausbildung beim Bauunternehmen Matthäi begonnen und kann inzwischen in Bremen-Hemelingen arbeiten. In den ersten Monaten musste er noch zum Stammsitz nach Verden pendeln. „Ich bin sehr dankbar dafür, dass der Weg jetzt kürzer ist. Die Fahrerei war schon hart“, berichtet er.

Sportlich ist Atlas für ihn längst zur Heimat geworden. „Der Verein ist wie eine Familie, meine Teamkollegen sind meine Freunde“, sagt er. „Ich hoffe, dass alle Spieler auch verstehen, was sie bei Atlas haben. So ein Zusammenhalt ist nicht selbstverständlich.“ Weil er seinen Vertrag im Frühjahr gleich für zwei Jahre verlängert hatte – also bis 2028 –, kann er in Blau-Gelb auch die nächsten Meilensteine angehen. Finnische Rekordspieler in der Regionalliga Nord sind die Brüder Juho und Jesse Kilo, die einst jeweils 56 Einsätze für den HSV gesammelt haben. Fagerström steht zwar erst bei 29, hat aber auch noch ein wenig Zeit und keine Konkurrenz: Er ist aktuell der einzige Finne in dieser Staffel.