TORWART-LEGENDE SAGT TSCHÜSS

TORWART-LEGENDE SAGT TSCHÜSS

1. Herren 27.01.2019

Wechsel zum VfL Wildeshausen perfekt

Bericht: Daniel Niebuhr (Delmenhorster Kreisblatt)

Interview: Nico Nadig (Sportbuzzer / Weser-Kurier)

Titelbild: Rolf Tobis (Delmenhorster Kreisblatt)

 

Torwart David Lohmann hat nach über 100 Einsätzen seinen Abschied vom SV Atlas Delmenhorst angekündigt.

Wenn sich ein Torhüter wie David Lohmann verabschiedet, könnte man vermutlich hunderte Laudatoren finden – so viele Stürmer, wie er über die Jahre um den Schlaf gebracht hat. Man könnte zum Beispiel bei Werder Bremens Ehrenspielführer Clemens Fritz anfragen, der an einem Sommerabend 2013 Bekanntschaft mit Lohmanns Reflexen machen durfte, oder auch bei Nils Petersen vom SC Freiburg – beide haben es  immerhin einmal geschafft, den Keeper des SV Atlas zu überwinden – nach diversen Fehlversuchen versteht sich.

Nach seinem angekündigten Abschied zum Saisonende lässt man ihn aber wohl am besten selbst sprechen über die sechseinhalb Jahre, die er inzwischen für die Delmenhorster spielt und in denen er als Mitglied der ersten Stunde nach der Wiedergründung zu den prägenden Gesichtern des inzwischen zum Fußball-Oberligisten gewordenen Vereins gehörte. "Die Geschichte ist für mich einmalig und es macht einen stolz seit Anfang an dabei gewesen zu sein", sagt Lohmann über seinen Club. "Es waren sehr schöne und intensive Jahre." Ob er aufhört oder "sich eine neue Herausforderung sucht", wie er sagt, ist noch offen. Leistungsfußball-Leiter Bastian Fuhrken hätte ihn sich gut in der zweiten Mannschaft vorstellen können und findet es "schade, dass er uns verlässt". 

Seit 2012 spielt Lohmann für die Blau-Gelben, mit ihm geht der letzte Spieler, der schon in der 1. Kreisklasse von Anfang an dabei war. Er galt lange Zeit als bester Delmenhorster Torwart seiner Generation, er hat in der Stadtauswahl gespielt, Werder im erwähnten Testspiel zur Verzweiflung gebracht und ist mit Atlas viermal aufgestiegen – teilweise dramatisch wie beim Kreisliga-Relegationskrimi im Wilhelmshavener Jadestadion 2014 und drei Jahre später beim Oberliga-Aufstieg in letzter Sekunde. Sogar ein Elfmeter-Tor hat er mal gemacht beim 20:0-Rekordsieg bei Grün-Weiß Kleinenkneten 2012. Seinen ersten Vertrag soll er nach eigener Aussage auf einem Bierdeckel beim Ganderkeseer Fasching unterschrieben haben. 9.576 Spielminuten hat er in 107 Einsätzen gesammelt, wie die Atlas-Statistikabteilung errechnet hat. Nun zieht er aber aus beruflichen und privaten Gründen doch einen Schlussstrich – auch weil er im Sommer Vater wird. „Die Oberliga war vor sieben Jahren das Ziel mit Atlas", sagt der 30-Jährige. "Wir haben zusammen sehr viele Erfolge gefeiert."

Zur Geschichte gehört allerdings auch, dass Lohmann in dieser Saison noch keine Minute gespielt hat. Im August 2017 verletzte er sich im ersten Atlas-Oberligaspiel nach 18 Jahren beim TuS Sulingen und hat seitdem immer wieder Pech – erst mit einem Innenbandriss und dann durch eine Schambeinentzündung. Stammtorhüter ist inzwischen unumstritten sein Kumpel Florian Urbainski. "Natürlich ist es für mich sportlich nicht gut gelaufen", sagt er. Die Verletzungen "haben mir den Platz als Nummer 1 genommen".

Allerdings will der Vielflieger vom Dienst nicht mit der Faust in der Tasche gehen. Schließlich verbinden ihn mit Atlas unzählige Erinnerungen und noch weitere Ziele. "Ich werde den Verein vermissen. Ich habe Atlas viele schöne Momente zu verdanken", erklärt er. Es könnten noch weitere hinzukommen, denn die Delmenhorster haben durchaus noch Chancen auf den Aufstieg in die Regionalliga und freuen sich vor allem auf der Halbfinale im Niedersachsenpokal der Amateure am Ostermontag gegen den 1. FC Wunstorf. Bei einem Sieg geht es ins Endspiel am 25. Mai im schmucken früheren Eilenriedestadion von Hannover – und auf die große Fernsehbühne. Das Spiel wird in einer Konferenz mit anderen Landespokalfinals in der ARD übertragen. Der Sieger qualifiziert sich für den DFB-Pokal und kann mit Einnahmen – abzüglich eines Solidarbetrags für die Niedersachsenpokalteilnehmer – von rund 91.000 Euro rechnen. "Im letzten halben Jahr werde ich alles dafür tun, dass wir unsere Ziele erreichen und im nächsten Jahr im DFB Pokal spielen. Das hat der Verein und vor allem die Mannschaft sich verdient", sagt Lohmann.

Interview

Herr Lohmann, zum Ende der aktuellen Saison werden Sie den Fußball-Oberligisten SV Atlas Delmenhorst nach sieben Jahren verlassen. Wie kam es zu dieser Entscheidung? 

David Lohmann: Also die Hauptgründe sind private und berufliche. Ab dem 1. März fange ich bei einer neuen Arbeitsstelle an und im Juli werde ich Vater. Das sind so die Hauptgründe. Ich habe schon Bock auf Fußball, aber wir trainieren bei Atlas viermal pro Woche. Das ist dann nicht mehr für mich zu machen. Dreimal Training pro Woche wäre für mich das Maximum. Und dann kommen ja auch noch die weiten Auswärtsfahrten am Wochenende hinzu.

Wie schwer ist Ihnen diese Entscheidung gefallen, haben Sie schon länger mit dem Gedanken gespielt? 

Zu Hause habe ich viel mit meiner Verlobten gesprochen. Bei ihr war der Tenor, vielleicht im Verein zu bleiben. Aber wenn ich bei Atlas aufhöre, dann komplett. Und vielleicht sind mal ein, zwei Jahre ohne den Verein auch ganz gut. Das war eine intensive Zeit.

Hat es eine Rolle gespielt, dass Sie in der vergangenen Saison Ihren Stammplatz gleich nach dem ersten Spiel in der Oberliga verletzungsbedingt an Florian Urbainski verloren haben? 

Gegen den TuS Sulingen habe ich mich in der ersten Halbzeit verletzt, das Spiel aber noch komplett durchgespielt. Nach meinem Innenbandanriss im Knie habe ich einfach weitertrainiert, aber nicht mehr die Chance bekommen. Es ist also auch eine sportliche Entscheidung. Wenn ich wechsel, möchte ich bei meinem neuen Verein aber auch keinen Freifahrtschein, weil ich von Atlas komme. Ich will mich durchsetzen.

Als zweiter Torwart bekommt man nur wenige Chancen, sich zu beweisen und muss auf Fehler der Nummer eins hoffen. Wie geht man mit dieser Rolle um, vergeht einem da auch manchmal die Lust? 

Lust auf Fußball habe ich immer. In den Jahren zuvor war es immer so, dass Benno (Florian Urbainskis Spitzname, Anmerkung der Redaktion) mal ein paar Unsicherheiten hatte und der Trainer mich dann reingestellt hat. Es ist schade, dass ich nie wegen meiner Leistungen raus musste, sondern aufgrund von Verletzungen. Die sind die Hauptgründe, warum ich meinen Posten als Nummer eins verloren habe. Aber ich bin auch niemand, der schlechte Laune verbreitet, ich probiere eher, positive Stimmung reinzubringen. Aber klar ist auch, dass ich nicht zufrieden bin, wenn ich nur auf der Bank sitze.

Blicken Sie trotzdem zufrieden auf diese und die vorherige Saison zurück? 

Als Verein können wir zufrieden sein. Für mich waren der Sieg im Kreispokal mit der Zweiten und der Aufsteig in die Oberliga die sportlichen Highlights. In der Landesliga habe ich ja auch die letzten Spiele gemacht, nur das Entscheidungsspiel gegen den VfL Wildeshausen wegen einer Gehirnerschütterung verpasst. Das lief alles in die richtigen Bahnen, nur dann kam der Innenbandriss im Knie.

Was haben Sie sich jetzt für die verbliebenen Spiele vorgenommen? 

Ich werde mich genauso reinhängen wie vorher. Es wäre natürlich schön, Atlas am Ende der Saison als Nummer eins zu verlassen. Aber Benno hat das jetzt die letzten anderthalb Jahre echt gut gemacht. Er hat konstant seine Leistungen gebracht. Da ist es schwierig, einen Torwartwechsel zu rechtfertigen. Und wenn er das gut macht, bin ich der Letzte, der sich ärgert. Es ist eine Floskel, aber der Erfolg steht über allem.

Der SVA hat im Dezember mit Olaf Blancke einen neuen Trainer bekommen. Gibt es jetzt nochmals ein Rennen um den Platz zwischen den Pfosten? 

Keine Ahnung, das weiß ich nicht. Das Gespräch haben wir noch nicht gehabt. Ich stufe mich nicht schlechter als Benno ein, aber ich weiß nicht, wie der Trainer das sieht. Und ich weiß auch nicht, ob er das alleine entscheidet oder Meinungen beziehungsweise Empfehlungen bekommt. Ich werde einfach genauso weitertrainieren.

Wenn Sie sich zum Ende der Saison verabschieden, was wird Ihnen vermutlich durch den Kopf gehen? Was sind besondere Erinnerungen? 

Die ganzen Aufstiege und die Feiern nach den Spielen mit den Jungs. Sportlich war das Relegationsspiel gegen Wilhelmshaven zur Bezirksliga besonders. Für mich persönlich waren außerdem die Partien gegen Werder Bremen Highlights. Und natürlich die Dokumentation. Ich habe die zu Hause und schaue da immer mal wieder gerne rein.

Welche Rolle haben die Fans für Sie gespielt? Gewissermaßen sind Sie ja auch ein Fanliebling.

Dieser Support ist hier im Umkreis einmalig. Wie die Fans immer alle mitreisen. Egal, wo ich auch hinwechseln werde, so viele Fans wird der Verein nicht haben. Das wird vermutlich auch eine gewisse Umgewöhnung. Das Besondere ist ja auch, dass alles relativ eng ist. Mit vielen Fans bin ich befreundet. Immer noch bin ich der einzige Spieler, der von Anfang an dabei war und alles mitgemacht hat. Ob ich aber Fanliebling bin, weiß ich nicht.

Sie wollen weiter Fußballspielen. Warum ist die Atlas-Reserve keine Option für sie? 

Wenn ich weiter Fußball spiele, wonach es derzeit ausschaut, dann suche ich mir auch eine Herausforderung. Ich will nicht komplett unterklassig kicken. Ich suche einen Verein, der Ambitionen hat. Seit gestern haben mich um die sieben Trainer angerufen. Es ist gut möglich, dass schnell eine Entscheidung fällt, wenn der richtige Verein anklopft. Ein oder zwei Klubs habe ich im Hinterkopf. Ob ich bei einem Kreisligisten mit Ambitionen, einem Bezirksligisten oder Landesligisten unterkomme, muss man gucken. Der Unterschied zwischen Ober- und Landesliga ist schon von den Fahrten her immens. Und irgendwann wird es zu professionell. Ich bin jetzt in einem Alter, wo ich kein Profi mehr werde. Für mich geht es darum, Spaß zu haben.

Sie sind seit der Neugründung dabei. Haben damals angeblich Ihre Zusage auf einem Bierdeckel gegeben. Jetzt können Sie es ja verraten, stimmt diese Geschichte? 

Das angeblich können Sie streichen, die Geschichte stimmt. Ich habe Tammo Renken damals das erste Mal richtig persönlich getroffen und er hat mir die ganze Geschichte erzählt. Beim Fasching in Ganderkesee habe ich dann auf dem Bierdeckel unterschrieben. Ganz ehrlich: Vor sieben Jahren habe ich gesagt, dass wir in der Oberliga spielen werden. Von Jahr zu Jahr wurde das realistischer und auf einmal hatten wir es gepackt. Ich habe mal gesagt, dass ich ein Spiel in der Oberliga mache und danach aufhöre. Jetzt habe ich zwei. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll (lacht).

Update vom 4.2.19

Zur kommenden Saison wechselt David Lohmann zum aktuellen Bezirksligaspitzenreiter VfL Wildeshausen. Der bisherige Stammtorwart Sebastian Pundsack hört zum Ende dieser Saison auf. Daher war man beim VfL auf der Suche nach einem Nachfolger. Eine Garantie für einen Stammplatz gibt es für ihn aber nicht, da mit Felix Dittrich ein weiterer starker Torhüter bereits im Kader steht.

Kommentar im Forum schreiben

Cookie-Hinweis

Diese Website verwendet Cookies gemäß unserer Datenschutzerklärung, um Ihr Nutzererlebnis zu verbessern. Weitere Details zur Nutzung und Deaktivierung von Cookies erfahren Sie hier.

Einverstanden

Cookie-Informationen

Diese Internetseite verwendet Cookies, um die Nutzererfahrung zu verbessern und den Benutzern bestimmte Dienste und Funktionen bereitzustellen. Es werden keine der so gesammelten Daten genutzt, um Sie zu identifizieren oder zu kontaktieren.

Cookies sind kleine Dateien, die lokal auf Ihrem Computer gespeichert werden. Diese Dateien können keinen Schaden an Ihrem Computer anrichten.

Besuchen Sie die Internetseite des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, um mehr über Cookies und lokalen Speicher zu erfahren.

Wenn Sie keine Cookies durch diese Website speichern lassen möchten, können Sie dies direkt in Ihrem Browser einstellen. Wie dies für Ihren Brwoser funktioniert, erfahren Sie bei Klick auf den jeweiligen, nachfolgenden Button.